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Yangon

Da wir die Fahrt rechtzeitig und selbst gebucht hatten, bekamen wir die Premiumplätze im Doppeldeckerbus oben ganz vorne. So hatte man nicht nur eine tolle Aussicht, sondern konnte die Beine auch komplett ausstrecken. Außerdem hatten wir uns für das VIP-Gefährt entschieden mit nur drei Plätzen pro Reihe und entsprechend breiten Sitzen. Einer geruhsamen Nacht stand so eigentlich nichts im Wege. Nach 2 Folgen „Westworld“ sind wir dann auch friedlich eingeschlummert. Das erste Mal geweckt wurden wir, als Miri von einem ca. 4-Jährigen beklettert wurde. Dieser hielt sie wohl für seine Mutter und bekam erst einmal große Augen als er sein Missverständnis erkannte. Leider suchte er danach nicht nach seinem richtigen Platz, sondern blieb neben unseren Sitzen stehen, schaute uns verwirrt an und begann zu weinen. Miri machte sich zusammen mit ihm dann auf die Suche und fand nach einigem Hin und Her auch die richtige Reihe. Nachdem wir uns wieder eingepackt hatten (auch im VIP-Nachtbus laufen die Klimaanlagen unerbittlich) und auch im Land der Träume entschwunden waren, erfolgte die nächste Unterbrechung: nächtliche Passkontrolle an einem Polizei-Checkpoint. Davon gab es dann eine weitere Stunde später noch einen Nachschlag. Was es mit den Passkontrollen auf sich hatte, wissen wir nicht, bisher haben wir so etwas in Thailand noch nicht erlebt.

Trotzdem erreichten wir die Grenze einigermaßen ausgeruht gegen 6h morgens. Der Grenzübergang war schon offen und es herrschte eine ganz eigene Stimmung. Dieser Übergang wird nicht sehr stark von Touristen frequentiert, sondern dient eher dem Handel. Erste Wägelchen wurden schon durchs Niemandsland geschoben, wobei man sich vorstellen konnte, was hier 2-3 Stunden später normalerweise los ist und trotzdem konnten wir hier noch die Ruhe genießen. Die Grenzbeamten waren die freundlichsten, die wir je erlebt haben. Es wurde gelächelt, sich entschuldigt, dass es etwas länger dauert (die Technik war nicht die neuste), sich für den Besuch bedankt und eine wundervolle Reise gewünscht.

Unsere Weiterfahrt hatten wir schon im Internet gebucht (was höchst erstaunlich ist, da wir eine Buchung von Busfahrten im Internet bisher in keinem anderen Land zustande gebracht haben – von wegen rückständiger burmesischer Tourismus) und so hatten wir in den anschließenden drei Stunden Zeit, das Grenzörtchen zu bewandern und zu bewundern. Die Freundlichkeit und Ruhe nahmen uns sofort in ihren Bann. Da wir so früh on tour waren, konnten wir sogar noch die Mönche bei ihrem Bettelgang beobachten.

Die nächste Etappe verlief, in einem erstaunlich guten Bus, unterbrochen von mehreren Passkontrollen ereignisarm. Als wir dann endlich nach guten 24 Stunden on the road bei unserem Hotel in Yangon ankamen, mussten wir leider feststellen, dass Paul erst für den nächsten Tag gebucht hatte und alle Zimmer belegt waren. Diese Nachtfahrten machen einen ganz kirre. Alles aber halb so schlimm, ein bisschen edler und ein bisschen teurer stiegen wir dann eine Straße weiter für eine Nacht ab.

Yangon ist eine pulsierende Metropole. Wir hielten uns die meiste Zeit in Downtown auf, da die Zeit einfach nicht reicht, um die ganze 4,5 Millionen-Einwohner-Stadt zu erkunden, aber auch hier haben wir die unterschiedlichsten Eindrücke gesammelt.

Das Streetfood ist unglaublich abwechslungsreich, lecker und günstig. So günstig, dass man schnell das Verhältnis verliert. Miri überlegte nach dem Kauf von ein paar gebratenen Wachteleiern, ob 100 Kyat (0,07€) pro Stück nicht zu teuer sind – seitdem wird nun alles in Wachteleier umgerechnet – und der gleiche Preis wird (auf der Straße) für Samosas und andere unterschiedlich gefüllte Teigwaren aufgerufen. Streetfood gibt es in Downtown alle zehn Meter, auch hat man das Gefühl, die ganze Straße (zumindest in Chinatown) ist ein einziger (Gemüse-)Markt, überall werden die Waren – ausgebreitet auf Decken – feilgeboten. Abends stolperten wir bei einem Verdauungsbummel über eine chinesische Löwentanz-Performance. Erst verschwand der „Löwe“ (zwei Burmesen in einem Löwen/Drachenkostüm) unter großem Trara in einem Hauseingang und kam nicht wieder heraus. Ein einheimischer schickte uns dann per Handzeichen einmal um den Block, wo das eigentliche Spektakel stadtfand. Der „Löwe“ hüpfte und tanzte dabei, begleitet und abgestimmt zu Live-„Musik“, unter artistischen Einlagen auf extra aufgestellten Pfählen umher. Leider war nur das Handy zur Hand, ein Foto mussten wir damit dennoch machen.

Natürlich durfte auch ein Besuch der Shwedagon Stupa nicht fehlen. Diese Stupa ist im Zentrum auf einem Hügel gelegen und kann fast von der ganzen Stadt aus gesehen werden. Der Bau ist beeindruckend (erst Recht, wenn man die Zahlen des verarbeiteten Goldes je nach Angabe zwischen 9 und 60 Tonnen hört, was mehr als die offiziellen Goldreserven Myanmars sind) und der Besuch hat sich gelohnt. Ein Highlight für Miri war, dass hier Gleichberechtigung herrscht und auch Männer mit kurzen Hosen nicht zugelassen sind (sonst treffen die strengen Kleidervorschriften meist nur Frauen). Paul ist jetzt stolzer Besitzer eines traditionellen burmesischen Männerrockes.

Am letzten Tag, unser Nachtbus ging erst um 19h, erkundeten wir nochmal das Hafenviertel. Dies ist touristisch nicht erschlossen, aber für uns als echte Hamburger natürlich ein Muss!

Und sonst noch: Endlich wurde, bei einem Bummel durch den Park, Paul auch mal auf ein Foto gebeten und er posierte stolz zwischen zwei Burmesen. Als er gerade dabei war, Miri darzulegen, dass er jetzt wohl das Fotomodell ist, kamen über die Wiese drei Mädels angerannt, um Fotos mit Miri zu ergattern. Es wurde eine richtige Session gemacht (bis der Handyspeicher voll war) und, ganz untypisch für die eigentlich zurückhaltenden Burmesen, laut lachend mit vor Freude gereckten Armen nach erfolgreicher Fotojagd von dannen gezogen.

Beim Besuch in der etwas heruntergekommenen „Happy World“, die ein wenig an schlechte Horrorfilme erinnerte, wovon wir uns aber nicht irritieren ließen, absolvierten wir zur Freude der einheimischen Jugend mehr oder weniger erfolgreich Dosenwerfen, Hau den Lukas und andere jahrmarkttypische Aktivitäten. Am Ende sprangen ein Kamm und ein Haarreifen für Miri heraus.

Vientiane

Ziemlich viele Touristen haben uns seit Grenzübertritt nach Laos von Vientiane abgeraten und empfohlen, die Stadt zu überspringen. Höchstens für eine Nacht solle man dortbleiben, die Stadt habe einfach nichts zu bieten. Glücklicherweise haben wir den Ansagen nicht ganz, dafür aber unserem Faible für Hauptstädte vertraut – und wurden belohnt. Sicherlich ist Vientiane nicht mit Bangkok zu vergleichen und auch Phnom Penh hat schon größere Schritte hinter sich, aber die Hauptstadt von Laos bietet dafür eine sehr entspannte Stimmung, eine wunderbare Riverside am Mekong mit kleineren Bars und Restaurants, überschaubaren Verkehr und erzählfreudige Bewohner.

Mit Googlemaps ausgestattet ließen wir uns wieder frühzeitig aus dem Songtheo, in das wir nach der Busfahrt verfrachtet wurden (diesmal handelten wir und schlugen für die 10km einen ordentlichen Preis heraus), schmeißen und gingen (oder um genau zu sein: Paul fiel) die letzten 100m zu Fuß. Während des Blicks auf das Handy und die Karte war ein extrem schief angelegter Kantstein in Pauls Weg, es machte „Wummms“ und Paul lag samt großem Reiserucksack auf dem Rücken längs neben dem Bordstein auf der Straße, das Handy 10m weiter. Roland hätte ihn als rote Vientiane-Wegschnecke bezeichnet. Wir sind kurz vorher über eine grüne Fußgängerampel gegangen, weshalb in dem Moment kein Fahrzeug kam, Paul wieder aufstehen konnte und wir nach einer kurzen Sichtung der Schürfwunden weitergehen und -humpeln konnten. Auch das Handy hatte den Weitwurf einigermaßen gut überstanden. An der nächsten Ecke hielt uns ein etwas älterer Motofahrer an, der gesehen hatte, dass Paul gestürzt war. Er erkundigte sich nach seinem Wohlergehen und wollte uns irgendwohin mitnehmen, aber als wir ihm versicherten, dass alles in Ordnung war, fing er an, uns seine Lebensgeschichte zu erzählen. Er war in Deutschland (genauer: der DDR, natürlich), fand Honecker richtig prima, hatte auch nichts gegen Kohl und gab seine wenigen Worte in deutsch zum Besten. Als er allerdings zum vierten Mal ansetzte, um die Geschichte zu erzählen, insistierten wir doch darauf, Pauls Wunden zumindest säubern zu müssen und verabschiedeten uns recht flink von ihm. Das Hotel war nur drei Minuten entfernt und nach kurzem Abtupfen des Arms und der Hände war schnell klar: alles nicht schlimm, der Knöchel war ein bisschen verstaucht, aber für das Gewicht, was da zu Boden ging, Glück gehabt – hat mich etwa einer fett genannt?

So konnten wir am Abend noch in Richtung Mekong aufbrechen, wieder einmal einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen, die Flusspromenade, die für Fußgänger angelegt ist, entlang spazieren und in einer Bar einkehren in der es fantastische Gyoza gab. Die Bar erinnerte Paul an das Berlin der 90ger Jahre. Ein paar Stahlträger und Bretter vor einem Abrissbau, fertig ist die Szene-Sushi-Bar in schöner Lage. Aber lieber nicht daran gewöhnen, denn in spätestens 5 Jahren, aber vielleicht auch schon morgen ist der Bau renoviert und etwas ganz anderes an diesem Ort entstanden. Zum Abschluss wählten wir als Abendessen laotisches Barbecue, das an der Riverside angeboten wurde, kehrten noch in eine Karaoke-Bar mit vielen einheimischen Jugendlichen ein (eine echte Karaoke-Bar wohlgemerkt, nicht die verkappten „Edelpuffs“), trauten uns aber nicht ans Mikro und fielen später sehr zufrieden ins Bett.

Am nächsten Tag verlängerten wir gleich unseren Aufenthalt im Hotel, weil uns schnell klar wurde, dass wir all das nicht in zwei Tagen schaffen würden, was wir uns vorgenommen hatten. Weil Weihnachten war, hatten wir uns ein etwas besseres Hotel ausgesucht, das schöne Zimmer und einen Pool hatte. Das angepriesene Gym war leider noch in der Renovierung, was für Paul kein Problem war, da sein Knöchel mittlerweile auf das 3-fache angeschwollen war, für Miri aber etwas schade. Sie hat mittlerweile ein Sportdefizit und steht unter akuter ADHS-Gefahr. Als erstes machten wir uns auf zu einer Apotheke, um einen Verband für Pauls Knöchel zu finden, verweilten anschließend etwas länger in einem Café und unternahmen nur einen Ministadtbummel. Am frühen Nachmittag machte Miri sich dann trotz der Temperaturen auf zu einer Joggingrunde, denn im nahegelegenem Park gab es obendrein noch Fitnessgeräte. Ausgepowert und kurz vorm Hitzekolapps, aber glücklich war sie nach einer Stunde wieder im Hotel. Abends hatten wir eigentlich ein Weihnachtsessen bei einem hochgelobten Franzosen geplant, da unser Hotel allerdings ein Weihnachtsbarbecue ankündigte, schauten wir als erstes dort vorbei. Es wurde ein etwas unweihnachtlicher, aber sehr lustiger Abend. Das weihnachtlichste war „Jingle-Bells“ in einer schlimmen Quietsche-Version in Dauerschleife. Den ganzen Abend durchlief man die dafür typische Musik-Gefühls-Schleife: amüsiert, mitschunkelnd, genervt, ignorierend, aggressiv, verzweifelt, resignierend. Verköstigt wurden wir mit Hähnchenflügeln, Pommes, Fleischspießen, Frikadellen, Salat, Früchten und Bier. Paul schnackte am Buffet noch einen Typen mit, der ganz alleine an seinem Tisch saß und so etwas geht an Weihnachten natürlich gar nicht. Wie sich herausstellte, war er ein in Singapur lebender Londoner, der viel in Asien unterwegs ist (sowohl beruflich als auch privat) und uns einige neue Reiseziele empfehlen konnte. Der Abend wurde länger und wir irgendwann die letzten Gäste. Also setzte sich die verbleibende Bedienung (die laut eigenen Angaben schon früh gemerkt hatte, „that’s the funny table“) mit an unseren Tisch und unsere Asienkenntnisse wurden weiter vertieft. Den Plan, noch weiter zu ziehen, ließen wir bleiben und somit verbrachten wir den Weihnachtsabend gänzlich im Hotel.

Der nächste Tag bestand aus leichtem kulturellen Programm. Ein paar Sehenswürdigkeiten (Wat Si Saket und Haw Phra Kaew) lagen glücklicherweise nahe unseres Hotels, so dass ihre Besichtigung auch mit Pauls Knöchel kein Problem war. Abends holten wir unseren Besuch beim Franzosen nach. Das Weihnachtsmenü war zwar aus, aber wir wurden trotzdem vorzüglich verköstigt.

Am letzten Tag liehen wir uns Mountainbikes und erkundeten damit die Stadt. Wir fuhren den Mekong entlang und schauten uns Pha That Luang und Patuxai an. Abends mussten wir uns nochmal den Night Market und die Promenade anschauen, die Stimmung dort ist so entspannt und fröhlich. Es gibt öffentliche Sportkurse mit Blick auf den Mekong, Inliner, Jogger, Radfahrer, Biertrinker und alle genießen den lauen Abend miteinander. Bevor es wieder in das etwas ländlichere Laos ging, sind wir erneut zu einem Japaner gegangen und haben das vegetarische Sushi probiert. Geht besser, kann man aber machen. Am nächsten Morgen fuhren wir dann per „VIP-Bus“ (mit ganz vielen anderen VIPs), der auch wirklich mal ganz angenehm war, nach Vang Vieng. Wir waren ziemlich gespannt, wie es dort ausschaut, denn Vang Vieng hat eine sehr wechselhafte touristische Entwicklung in den letzten 10 Jahren durchgemacht. Aber die Geschichtsstunde gibt es dann beim nächsten Eintrag.

Ben Tre

Unsere Reise nach Ben Tre ins Mekongdelta begann etwas beschwerlich. Die Abfahrt sollte eigentlich um 8:00h morgens an der Travel Agency sein. Wir schlugen lieber 15 Minuten früher auf, weil die akademische Viertelstunde hier ja manchmal sehr eigenwillig interpretiert wird. Die Agency hatte auch geöffnet, nur war keine Person vor Ort. Als um fünf nach acht immer noch niemand aufgetaucht war, probierten wir einfach mal anzurufen. Das Telefon war ausgeschaltet. Das Gute daran: Wir mussten uns gar keinen Kopf machen, denn es gab keine andere Möglichkeit, irgendetwas zu tun, als zu warten. Gegen 8:30h tauchte dann mal jemand auf und wurde doch ein bisschen hektisch. Am Ende hat es, wie meistens, dann doch geklappt und nach ca. zwei Stunden wurden wir nach einem Taxi, einem kleinen und einem großen Bus irgendwo am Rande von Ben Tre aus dem Bus geschmissen.

Also wurden die Rucksäcke geschultert und wir sind in Richtung Fluss aufgebrochen. Dieses Mal hatten wir uns nicht wirklich um Hotels gekümmert und der Plan war, spontan an der Riverside nach einer Unterkunft zu schauen. Diese war am Ende doch etwas weiter weg als gedacht, weil 3km mit 20kg auf dem Rücken, einem kleinen Paket vorm Bauch und bei 30 Grad inklusive ordentlicher Luftfeuchtigkeit doch recht anstrengend sind. Auf halbem Weg haben wir dann ein Hotel in einer Seitenstraße entdeckt und kurzentschlossen unseren Plan geändert, erst einmal das Gepäck abgeladen, um dann zum Fluss zu spazieren.

Als es erleichtert weiterging, führte uns unser Weg doch tatsächlich an einem COOP vorbei, den wir inspizieren mussten. Miri konnte ihr Glück kaum fassen, denn es gab ungesüßte (H-)Milch und sogar Käse. Also junger Gouda, den Miri in Hamburg nicht mit der Kneifzange anfassen würde, der hier aber erstmal im großen überteuerten Stück gekauft wurde. Mit einem zusätzlich erstandenen Baguette setzten wir uns in den nächsten Park und verzehrten die Beute. Als wir gerade am Futtern waren, kam jemand „zufällig“ vorbeigeschlendert und fing mit den üblichen Fragen an: „Where are you from?“, „What’s your name?“usw., um uns am Ende eine Tour durch das Delta verkaufen zu wollen. Plötzlich vielen ein paar Regentropfen und mit einem: „It’s raining“ war unser potenzieller Guide zu seinem Motorroller gelaufen und abgefahren. Solche Guides kann man gebrauchen, die einen beim leichtesten Problem im Regen stehen lassen. Wir suchten unter der nächsten Palme dürftigen Schutz und hatten Glück, dass sich der Schauer in Grenzen hielt.

Als wir nun endlich am Fluss angekommen waren, konnten wir unserer eigentlichen Aufgabe nachgehen: Wir wollten eine Mitfahrgelegenheit auf einem Cargoboot nach Tra Vinh den Mekong abwärts für den nächsten Tag organisieren. Am Pier war das Einzige, was uns erwartete, ein weiterer Schauer und so flüchteten wir uns ins nächste „Café“. Für Paul gab es eine schon leicht ausgeblichene Cola und für Miri einen Eiskaffee (hoffentlich nicht mit dem Eis, das nebenan direkt auf der Straße zerkleinert wurde). Der Besitzer war willens, unsere dürftigen Versuche in Zeichensprache zu verstehen und erklärte uns pantomimisch hervorragend, wann wir morgen wo zu sein hätten, um auf einem Boot anheuern zu können. Glücklich alles geklärt zu haben, freute sich – insbesondere Paul – auf einen ruhigen Nachmittag ohne Verpflichtungen, als sich Guide Nummer 3 neben uns setzte und einen individuellen Kurztrip anbot. Allerdings müsste es schon in 10 Minuten losgehen, weil es hier ja bereits um 18:00h dunkel wird. Nach kurzem Hin und Her haben wir zugeschlagen und es nicht bereut. Auch wenn die Tour anders verlief, als wir uns es vorgestellt hatten, war es wirklich gut. Neben einer Bootstour durch das Delta (bei der unser Captain nach 5 Minuten ins Wasser musste, um die Schraube von Treibgut zu befreien) mit kleinem Motorboot gab es einen Besuch in einer offensichtlich auf Touristen eingestellten Kokosnussverarbeitung (auch wenn wir die einzigen Touris waren), einer offensichtlich nicht auf Touris eingestellten Kokosnussplantage (inkl. Kokosmilch aus einer frisch vom Baum geschnittenen Nuss), eine Wanderung über eine Insel, bei der uns verschiedenste Dinge erklärt wurden, und eine kleine Ruderfahrt durch schmale Seitenarme des Mekongs. Pünktlich zur Dunkelheit waren wir wieder zurück. Bevor wir uns verabschiedeten, fragten wir unseren Guide noch, ob er Regen erwarten würde, was verneint wurden. Der Guide war weg und der Regen kam – kennen wir ja –, und zwar in Ausmaßen und einer Dauer, die wir, zumindest diesen Urlaub, noch nicht erlebt haben.

Nach 30 Minuten wurde es dann doch langweilig und wir erstanden ein bisschen bessere Regencapes und machten uns auf zur im Lonely Planet gelobten Pizzeria der Stadt. Diese wurde nach einigem Suchen gefunden, denn obwohl der LP vom August dieses Jahres ist, war die Pizzeria schon wieder umgezogen. Die Pizza und Lasagne waren für vietnamesische Verhältnisse gut, außerdem durften wir die Bekanntschaft eines älteren Schweden machen, der mittlerweile schon seit 15 Jahren in Vietnam lebt und etwas einsam wirkte. Kurzentschlossen baten wir ihn an unseren Tisch. Der Abend wurde dadurch nicht kürzer und so wurden es statt einem ruhigen Nachmittag und frühes ins Bett-Gehen eher eine erlebnisreiche Flusstour und ein politischer Meinungsaustausch bis in die Nachtstunden. Früh aufgestanden wurde trotzdem, da wir, um das Cargoboot zu bekommen, nicht nach 8:00h am Pier sein sollten.

Hue

Relativ gut ausgeschlafen kamen wir morgens um 7:30h in Hue an, einer geschichtsträchtigen (und natürlich ehemaligen Haupt-) Stadt Vietnams. Damit sind wir nun in Südvietnam angekommen und alles wirkt hier etwas wohlhabenderer und gediegener. Da um 8:00h die Zimmer im Hotel noch nicht gesäubert waren, bot uns das Personal an, zunächst ein Frühstück einzunehmen, bevor wir unsere Gemächer beziehen konnten. Weil wir nicht wahnsinnig viel Zeit in Hue hatten und es irre warm war, verzichteten wir auf die Dusche, luden unsere Rucksäcke kurz ab und stürmten der bisher frühesten Sightseeing-Tour entgegen. Auf dem Programm stand eine Palastanlage und damit die ehemalige Residenz der Kaiser der vietnamesischen Nguyễn-Dynastie. Der darin enthaltene Kaiserpalast wurde nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking gebaut und hat es zum UNESCO-Welterbe geschafft. Wir hatten den gesamten Aufenthalt lang immer den Eindruck, dass man sich in einem Relikt aus weit vergangenen Zeiten befand, aber die Nguyễn-Dynastie dauerte von 1802-1945 an und so konnte man immer mal wieder ausgestellte Fotos mit französischen Generälen betrachten, die in Erinnerung riefen, dass die herrschaftlichen Gebäude noch gar nicht so wahnsinnig alt sind. Dies machte einem der kaiserliche Tennisplatz deutlich, auch wenn dieser so gar nicht herrschaftlich aussah. 1968 wurden große Teile der Anlage durch Nordvietnam im Zuge der Tet-Offensive stark zerstört, sodass teilweise nur noch vereinzelt Steine herumliegen. Dennoch konnte man sich ein gutes Bild von der Machtschaustellung machen. Gegen Nachmittag schlug dann zumindest bei uns beiden die Müdigkeit zu und wir taperten für eine verspätete Siesta ins Hotel zurück. Grischa hingegen schmiss sich in das Getümmel von Hue und spazierte noch ein wenig durch die Stadt. Abends haben wir uns ein 8-Gänge-Menü am Fluss genehmigt, das viele Spezialitäten Hues im Repertoire hatte. Damit konnten wir einmal ganz tief in die Spezialitäten Hues eintauchen – es war zwar ein bisschen dekadent (hat aber trotzdem nur 7€ pro Person, excl. Getränke gekostet), aber extrem lecker und lehrreich.

Am nächsten Tag wurde unser Sightseeing-Programm fortgesetzt. Dieses Mal mieteten wir uns Fahrräder und erkundeten eine siebenstöckige Pagode („Thien Mu Pagoda“, neben der Palastanlage DAS Wahrzeichen Hues), setzten samt Räder mit dem Boot über den Fluss und radelten zu einer ehemaligen Tiger vs. Elefanten-Kampfstätte für die oben erwähnten Kaiser. Anzumerken ist hier, dass den Tigern die Krallen gezogen wurden, damit der Elefant (Symbol der Kaiser) auch ja gewinnt. Danach ging es zu der Grabstätte „Tomb of Tu Duc“ von einem dieser Kaiser, Tu Doc. Die Stätte samt großzügig angelegten Wassergräben und Gemächer für die 104 Ehefrauen, seine Mutter, Großmutter, (unzählige) Konkubinen, das Personal etc. ließ er sich noch zu Lebzeiten bauen und er fand Gefallen daran, dort noch Jahre vor seinem Ableben zu wohnen. Tu Duc hat sich laut Lonely Planet mit wertvollen Schätzen beerdigen lassen und um sein Grab vor Grabräubern zu schützen, wurden alle 200 Zeremonie-Helferlein im Anschluss geköpft. Während unseres Besuchs der Stätte rief Rolf an, weil das Hotel ihn nicht in Grischas Zimmer lassen wollte. Wir hatten ihn zwar angekündigt, aber nur mit einem kurzen Satz, der hier manchmal nicht ausreicht. Nachdem wir der Rezeption versicherten, dass er wirklich ein Freund von uns ist, versprachen sie, ihm Einlass zu gewähren. Den Abschluss unserer Trips bildete eine Esplanade („Ho Quyen“), nach der wir dann Sightseeing-gesättigt, ein bisschen erschöpft, aber glücklich zurück ins Hotel fuhren. Rolf war dort inzwischen auch erfolgreich angekommen und schlief selig im Zimmer. Nach einer kurzen Entspannungsphase tigerten wir zum Abendessen und zu ein paar Drinks in Hues Bars.

Der letzte Tag in Hue hatte wieder eine Besichtigung für uns parat, nun ging es aber um die prägende Kriegsgeschichte des Landes. Mit Mr. Thung (diesen von Tripadvisor empfohlenen Namen trugen plötzlich drei Personen, mit denen wir telefoniert und gesprochen hatten) fuhren wir zu viert in die ehemalige demilitarisierte Zone, die de facto alles andere als demilitarisiert war. Unser ca. 70jähriger Guide kämpfte früher an der Seite der Amerikaner gegen den Norden und hatte daher teilweise eine etwas andere Sicht auf die Geschichte, als uns die Gedenktafeln erzählten. Trotz seines Alters stellte er sich als sehr agil heraus, als wir durch die engen und sich immer weiter in die Tiefe schlängelnden „Vinh Moc Tunnels“ liefen. Dabei war seine Größe (oder besser Kleine) allerdings auch ein eindeutiger Vorteil. Dieses imposante Tunnelsystem (bis zu 25 Meter tief) wurde von den dort ansässigen Bewohnern des Dorfes Vinh Moc angelegt, in das sie im Zuge des Krieges gegen die USA buchstäblich abgetaucht sind, um sich vor den Bombardements zu schützen. Weil in dem Landabschnitt extrem und lange gekämpft wurde, richteten sich die Bewohner in dem Tunnelsystem fast häuslich ein. So gibt es Gemeinschaftsräume, Bade- und Kinderzimmer, ein Theater und einen Gebärraum (in dem 17 Kinder geboren wurden) – und kein Raum war größer als 3m2. Daran anschließend fuhren wir zum Ben Hai River, der die natürliche Grenze zwischen Nord- und Südvietnam markierte und heute als wichtiger Ort der Wiedervereinigung gilt. Auch wenn unser Mr. Thung ein bisschen besser englisch hätte sprechen können, war es ein lohnenswerter Ausflug in die junge Geschichte Vietnams. Zurück im Hotel machte sich Rolf mit seinem Moped auf Richtung Hoi An. Wir hatten noch gute 2 Stunden, bevor unser Bus abfuhr und suchten noch ein kleines Café auf. Der Kaffee war sehr gut, es fehlte nur ein kleiner Snack. Drei standen zur Auswahl: Pig-Skin-Pie, und wie wir das Land kennengelernt haben, hat das nichts mit ZimtSCHNECKEN oder dem Gebäck SCHWEINEohren zu tun, sondern ist wohl einfach ein Kuchen mit Schweinehaut. Paul hätte dann fast einfach so Tré bestellt, googelte aber zum Glück vorher noch einmal: Tré wird aus dem Billigsten des Schweins hergestellt und besteht aus Ohren, Nase, Haut und anderen Resten. Es gilt dennoch als Arme-Leute-Spezialität in Hue. Am Ende wurde es Snack Nummer drei, irgendwelche getrockneten Früchte, die in etwas Salmiak-Ähnlichem eingelegt waren.

Tam Coc

Als nächste Station hatten wir uns Ninh Binh ausgesucht, da dies auch in Fahrdistanz für Rolf lag. Los ging es mit dem Bus, dann wurde in ein Speedboot gewechselt und danach sollte die Touri-Karavane in einen weiteren etwas kleineren Bus mit etwa 20 Sitzplätzen einsteigen. Als der Kofferraum schon voll war, nachdem 10 Reisende ihre Taschen in diesem verstaut hatten, wurde die Reisebegleitung doch etwas nervös und zählte durch, wie viele Passagiere er überhaupt zu befördern hatte. Am Ende passte es auf den Platz genau, wobei ein Sitz komplett von Taschen eingenommen wurde. Etwas voreingenommen würden wir behaupten, das war keine Berechnung, sondern Glück. Wir waren etwa genauso gut vorbereitet wie unser Guide und überlegten uns 20km vor dem Ziel, welches Guesthouse man denn ansteuern könnte. Beim Blättern im Lonely Planet fiel uns auf, dass wir gar nicht so gerne nach Ninh Binh wollten, sondern sich Tam Coc (ca. 9km weiter) viel besser anhörte. Wir beratschlagten gerade, was wir bereit wären für ein Taxi nach Tam Coc zu bezahlen, als der Bus genau dort einen ungeplanten Zwischenstopp einlegte – das Glück ist mit die Dummen.

In Tam Coc wurde schnell eingecheckt, mit Rolf der neue Standort geteilt (schöne neue Technikwelt) und durch den Ort geschlendert. Als Rolf dann auch endlich ankam, war der Hunger groß, nach einigem Hin und Her (Grischa hatte besondere, nicht zu erfüllende Vorstellungen) wurde ein Restaurant gefunden und flugs die Bestellung aufgegeben. Bis das Essen kam, dauerte es ein wenig, denn die Zutaten mussten erst per Telefon bestellt werden und wurden dann per Fahrrad und Taxi gebracht und an uns vorbei in die Küche getragen. Und, kein Witz, es wurde auch eine neue Gasflasche bestellt und geliefert, derweilen der ganze kalte Biervorrat von uns aufgebraucht (3 Tiger und 2 Hanoi). Am Ende waren wir aber alle satt und es hat sehr gut geschmeckt. Danach ging es noch ein paar Kugeln beim Poolbillard versenken (eigentlich eher den Tisch durch Unfähigkeit blockieren).

Rolf verließ uns am nächsten Tag wieder, er fährt kürzere Strecken und hat damit weit mehr Fahrtage. Ihn sehen wir vorrausichtlich in Hue wieder. Wir wollten eigentlich auch nur eine Nacht bleiben und am Abend des nächsten Tages mit dem Nachtzug weiterfahren. Aufgrund von Unwettern in Mittelvietnam wurde daraus aber nichts, die Gleise waren unterspült. 

Wir verlängerten gleich um eine Nacht und buchten für den darauffolgenden Tag einen Nachtbus nach Hue.

Für die zwei Tage, die wir nun Zeit hatten, mieteten wir uns zwei Motorroller für eine Umgebungserkundung. Nach einer Pagode die über drei Bergebenen verteilt ist, wollten wir nur einen kurzen Abstecher in ein sehr schönes „Vogel-Tal“ machen, um festzustellen, dass es alleine dort genug für 3 Tage zu entdecken gab. Wir stellten unsere Gefährten auf dem Parkplatz ab, keine Motos erlaubt, und zogen zu Fuß in die wunderschöne Landschafft mit Kamera los. Als der Rückweg anstand, sprang – oh Schreck, aber eigentlich musste das auch mal passieren – ein Roller nicht mehr an. Auch der Kickstarter wollte nicht wie wir. Dass es nicht an uns lag, bewiesen die ebenfalls erfolglosen Versuche der herbeigeströmten Einheimischen. Freundlicherweise rief dann einer der Helfer in unserem Hotel an und bedeutete uns (englisch konnte keiner) zu warten. Nach 30 Minuten kam dann tatsächlich jemand, den wir für einen Mechaniker hielten, zumindest machte er sich gleich ungefragt daran, mit einer großen Schere (die als Schraubenzieher, Kabelkapper- und Isolierer, Überbrücker und jedes andere Werkzeug diente) unseren Roller auseinanderzunehmen. Nach weiteren 30 Minuten, in denen Kabel gekappt, ausgewechselt und/oder neu verdrillt wurden, der Roller sich trotzdem weigerte anzuspringen, zeigte der „Mechaniker“ dann auf seinen Roller. Wir machten uns also mit teilweise neuem Gefährt, ohne Automatik, auf die Heimreise. Im Hostel wurde zwar etwas merkwürdig geschaut, der andere Roller nach unserer Erklärung aber bereitwillig zurückgenommen. Da wir unsere Passports beim Auschecken wieder bekommen haben, hat der Rollerrücktausch wohl funktioniert.

Durch die ganze Rolleraktion war es reichlich spät geworden und wir beschlossen der Einfachheit halber im Hotelrestaurant im 7. Stock zu essen. Dies war eine wirklich gute Entscheidung! Wir wurden nicht nur mit einem grandiosen Sonnenuntergang und danach mit einem roten „Riesenmond“ belohnt, auch das Essen war fantastisch. Es gab gegrillte Ziege auf heißem Stein, die am Tisch eigenhändig mit Thaibasilikum, Ananas und Gurke in Reismehlblätter gewickelt und in eine Gelbebohnensoße gedippt wurde. Ein Gedicht.

Am nächsten Tag gab es die nächste Rollertour, zur einer Höhle, einer Aussichtsplattform inklusive gefühlten 10.000 unregelmäßigen Stufen und nach Hoa Lu, einer der vielen ehemaligen Hauptstädte Vietnams. Diesmal hielt der Roller. Gegessen wurde wieder im Hotel, in dem wir freundlicherweise in einem unbenutzen Zimmer noch duschen konnten, bevor es in den Nachtbus ging. Dieser machte nach 20 Minuten Fahrt erst einmal 30 Minuten Pause, was zur Folge hatte, dass die Temperatur – ohne Klimaanlage – schnell sehr unangenehme Ausmaße erreichte und an Schlaf erst einmal nicht zu denken war. Als es dann aber richtig losging, war es, trotz unseres hohen Alters, erstaunlich angenehm und wir konnten sogar mit einigen Unterbrechungen recht gut schlafen.

Hanoi

Goooooooood morning Vietnam! Unser Grenzübertritt fand am Friendship Pass statt, der nicht nur ein Grenzübergang, sondern auch eine (chinesische) AAAA Touristenattraktion ist. Dabei dachten wir immer, besser als „triple A“ ginge nicht. In China schon. Der Grenzübergang ist so groß, dass die Strecke zwischen den beiden Passkontrollen zur Ein- und Ausreise mit dem Bus zurückgelegt wird. Trotzdem war der Übergang so entspannt, dass Miri sozusagen zur Reisegruppenleitung von vier älteren Franzosen wurde. Wir erreichten Hanoi nach gut 8 Stunden Busfahrt am späten Nachmittag. Das Belästigen von Touris durch Verkäufer oder Taxifahrer, vor dem wir auf mehreren Wegen gewarnt wurden, können wir nicht bestätigen. Eine sehr freundliche Vietnamesin hat uns per vietnamesischem MyTaxi nach dem Busausstieg ein Taxi geordert, bei dem auch das Taxameter nicht manipuliert war und so konnten wir ganz gelassen in den Stadtkern von Hanoi fahren. Nach dem Check-In tigerten wir zu dem Hostel, in dem Grischa und Rolf eingecheckt hatten. Dies war zwar groß ausgeschildert, der Eingang trotzdem nicht leicht zu finden, da das Hotel durch eine Garküche betreten wird. Allerdings trafen wir erst einmal nur Rolf an, mit dem wir uns auf der Rooftop Bar leckeres Saigon Beer genehmigten. Grischa machte derweil Hanoi unsicher, aber weil wir ihn auch nach 2 Stunden nicht erreichen konnten, waren wir uns sicher „Hanoi hat ihn jetzt“ und so suchten wir erst einmal den nächstbesten Food Stall in der Nähe auf und genehmigten uns das einzige Gericht das es dort gab mit einem frischgepressten Bambussaft. 5 E-Mails und ein Dinner später, konnten wir dann auch Grischa auflesen und unsere Reisegruppe war vollständig. Abends gab es viel zu erzählen und auszutauschen, der kleine städtische See, um den die Straßen gesperrt waren und so Volksfestatmosphäre mit Tauziehen und anderen Spielen (dessen Sinn uns auch nach längerem Beobachten nicht immer erschloss) herrschte, und der Balkon einer Bar in einem Kolonialstil-Haus waren dafür genau die richtigen Orte. Dass Miri zu den obligatorischen Selfies „eingeladen“ wurde, soll hier zum letzten Mal erwähnt werden. Am nächsten Tag erkundeten wir Hanoi zu Fuß, ließen uns ein wenig treiben, was hier sehr gut möglich ist, wenn man den wahnsinnigen Verkehr ausblendet. Das geht zwar nicht auf Dauer, aber für die Etappen eines Spaziergangs ist es ausreichend. Durch das wuselige Old Quarter, über den Market – auf dem Grischa sich nicht getraut hat zu handeln, da sowieso nur 3$ für ein Cap verlangt wurden –,  vorbei an der Lenin-Statue und dem Ho Chi Minh-Mausoleum, vor dem gerade die sehr wichtige (und lustig anzuschauende) Wachablösung stattfand, gelangten wir an den großen städtischen See, der allerdings mit seinen toten Fischen und den verlassenen Bootsrestaurants ein wenig trostlos wirkte. Danach gab es eine Stärkung am Straßenrand. Große Auswahl war nicht vorhanden, frische Frühlingsrollen und zwei unterschiedliche frittierte Taschen. Also wurde von allem etwas bestellt und losgegessen. Dabei haben wir einen neuen Trend kreiert (hoffen wir zumindest). Als wir uns beim Essen die Zubereitung anschauten, bemerkten wir, dass es sich bei den einen Taschen um frittierte Bananen handelte und unser Chili-Dip dazu eher unangebracht war. Am späten Nachmittag strandeten wir in der Bar Detta, die mit ihrer Bier-Happy-Hour genau das Richtige für uns war. In Vietnam ist das Bia Hoi (gezapftes Bier) eine Spezialität, die man sich als Mitglied einer Biernation natürlich nicht entgehen lassen kann. Entsprechend probierten wir unterschiedliche Sorten in unterschiedlichen Bars und fielen spät am Abend sehr zufrieden ins Bett. Nachdem das halbe Old Quarter aufgeweckt wurde, damit Rolf und Grischa in ihr gut verrammeltes „Hotel“ eingelassen wurden, war es dann schon etwas später geworden. Das French Quarter stand am nächsten Tag auf dem Programm, wo sich die Botschaften befinden, die Häuser luxuriöser und die Verkehrsströme geordneter werden, zu Grischas Leidwesen allerdings alle Pho Bo-Läden geschlossen hatten. Aber anstatt mit uns Banh Mi zu essen, ist er lieber hungrig durch Hanoi gestreift. Vorher wurden noch Moped-Läden besucht, weil Rolf mit dem Moped weiterreist. 250$ hat sein Fahrzeug gekostet, das er in Ho Chi Minh City dann wieder verkaufen will, so es denn bis dahin zusammenhält. Abends gab es BBQ in einem Gässchen, in dem ausnahmsweise keine Motos fahren durften, es trotzdem nicht ruhiger zuging als im Rest der Stadt. Danach stolperten wir eher zufällig in den Club „1900 – Le Théatre“. Trotz eines Dienstagabends und der recht frühen Uhrzeit (8pm), war einiges los. Vor allem die Tanzfläche war gerammelt voll. Verlieren konnten wir uns dort trotzdem nicht, weil der Großteil der Gäste aus Vietnamesen bestand, die 1-2 Köpfe kleiner sind. Natürlich war Ladies Night mit 2 Drinks for free (für Ladies, versteht sich). Es ist etwas merkwürdig, in einen Club zu kommen, einzuatmen und sich über die angenehme und frische Luft zu freuen und beim Hinausgehen zu denken: „Ach, war es da drinnen angenehm kühl“. In Hamburg ist es immer umgekehrt. Alles in allem ist Hanoi wirklich eine coole Stadt, wenn sie sich auch nicht zum ruhigen Entspannen eignet. Aber wenn man sich auf das Gewusel, die abertausend hupenden Motos und die sengende Hitze einlässt, macht es sehr viel Spaß hier zu sein, sich von den zahlreichen alten Häusern im Kolonialstil zwischen den neueren sehr schmalen Stadthäusern beeindrucken und von den Essensständen überraschen zu lassen und abends unterschiedlichste Locations auszuprobieren.

Nanning

Ach, China. So viele wunderschöne Ecken dieses Land hat, so viele Widersprüche sind auch zu finden. Nach einer zügigen Busfahrt waren wir früher als erwartet in Nanning und hatten damit die Chance, den Night Train nach Hanoi zu nehmen. Großstadterfahren war es nicht schwer, sich mit der neuen Metro, die zwar erst zur Hälfte der Strecke fertiggestellt, dafür aber blitzblank ist, und im Anschluss mit den öffentlichen Bussen zum Hauptbahnhof zu begeben. Dort angekommen, wurde mal wieder alles gescannt und dieses Mal mussten wir unser halbes Gepäck auspacken. Sämtliche „Druckdosen“ wie Deos waren nicht erlaubt, aber eben auch keine Messer. Der Leatherman, den sie im Gepäck gefunden hatten, stellte für sie ein Problem dar, die Sicherheitsleute in der Metro konnten wir kurz vorher noch überzeugen, dass der Leatherman nur eine Zange ist. Wir wollten schon anfangen zu diskutieren (was etwas schwierig war, weil auch hier keine Person englisch sprach), als eine Uniformierte dazu stieß mit „SWAT“ auf ihrem Namensschild und sehr forschem Auftritt. Ständig hatten wir Handys mit Übersetzungsprogrammen vor unseren Gesichtern und irgendwann stand darauf „Excuse me, it is not allowed to bring a knife on train.“ Weil wir uns weigerten, den Leatherman einfach abzugeben, mussten wir den Bahnhof verlassen, eine Nacht in Nanning bleiben und am nächsten Tag mit dem Bus weiterfahren. Die ID wurde natürlich auch noch handschriftlich festgehalten, allerdings nur Pauls, obwohl das Messer in Miris Rucksack war. Generell steht hier in jedem öffentlichen Raum, dass sämtliche Dinge, wie essen, trinken, liegen, spucken etc., verboten sind. Für die Güter, die nicht mit in den Bahnhof (!) genommen werden dürfen, gibt es kein einziges Schild und auch der Lonely Planet weist mit keiner Silbe darauf hin. Auch haben wir das Gefühl, dass die Sicherheitsvorschriften etwas willkürlich gehandhabt werden. Sei’s drum, Busfahren ist ebenfalls eine schöne Art zu reisen. Das Ticket zu kaufen bedeutete allerdings eine Odyssee durch fünf verschiedene Travel Agencies, die zwar alle „international“ im Namen trugen, des Englischen aber nicht mächtig waren. Auch waren sie nicht gewillt, unsere Hand- und Fuß-Performance mit Landkarten-Unterstützung und Busgeräuschen zu entschlüsseln. Schließlich wurden wir dann aber doch fündig und ersteigerten ein Ticket für den nächsten Morgen und ein Hotelzimmer mit wenig Charme, das dafür aber günstig war. Abends haben wir erneut einen Food Stall aufgesucht, in dem wir eine große Attraktion darstellten. Laut Lonely Planet ist die Route Nanning-Hanoi inklusive Übernachtung Standard, aber wir konnten keine weiteren nicht-asiatischen Reisenden finden und anscheinend sind Europäer ein eher seltenes Bild. So wurden wir, speziell Miri, beim Essen mehrfach fotografiert, unser Einverständnis stillschweigend vorausgesetzt. Auf einmal hat man eine asiatische Mama an der Schulter hängen und das Handy vor den Gesichtern. Bitte einmal lächeln und fertig ist das Selfie mit der Westlerin.

Hong Kong – Kowloon

Auf dem Weg mit dem Bus vom Flughafen zu unserer ersten Unterkunft in Hong Kong, direkt neben der MTR-Station Tsim Sha Tsui (TST) gelegen, vergehen die ersten 30 Minuten wie im Flug und recht unspektakulär. Ein bisschen wie Finkenwerder: nix zu sehen, außer ein paar Containern. Dann wird der Verkehr dichter und auf der Nathan Road stockt es – endlich wieder Großstadtfeeling (nach 12 Stunden Flug). Nachdem sich dann aber 10 Minuten nix mehr bewegt (so wirklich nix), hatten wir uns an den umliegenden Hochhäusern satt gesehen und mal nachgeschaut (WLAN im Nahverkehrsbus – hallo DB -), wie lange der Fußweg zum Hostel noch ist. Google sagt 15 Minuten und Miri nimmt das Ganze mal in die Hand. Der Busfahrer lässt uns zwischen zwei Stationen raus und 50% der Passagiere hüpfen auch aus dem Bus und setzen mit uns den Weg zu Fuß fort. Und warum geht nichts mehr? Bus gegen Taxi, nur leichter Blechschaden, warten bis die Polizei kommt -> Komplettsperrung Richtung Süden.

Unser Hostel (Urban Pack) wird ohne Probleme eingenommen, außer dass wir (trotz Reservierung seit Ende Juni) nach dem zweiten Tag das Zimmer wechseln müssen („Sorry, overbooked“). Das erste Zimmer ist mit gut 7qm (inkl. Bad) ausreichend, wir wollen ja HK erkunden und nur für eine kurze Nachtruhe auf das Zimmer. Dass beim zweiten Zimmer Dusche und Toilette geteilt werden ist ja kein Problem, dass es kein Fenster gibt, stört, vor allen Dingen Paul, dann schon eher.

Nachdem wir in den letzten Urlauben in Asien meistens uns bekannte Orte aufgesucht haben, war Hong Kong mal wieder etwas ganz Neues und auch wenn ein Sprichwort sagt: „Vorbereitung ist alles“, ist diese angenehme Planlosigkeit etwas ganz besonderes: Dieses „das hätte man ja auch mal nachlesen können“ und das sich einfach wieder mal in einer unbekannten Stadt treiben zu lassen, egal wohin, wenn man es zulässt.

Definitiv gewöhnen mussten wir uns an die Hochhäuser mit unterschiedlichsten Einrichtungen unter einem Dach: 1. Stock Büros, 2. Stock Wohnungen, 3. /7. / 12. Stock je 3 Zimmer eines Hostels, zwischendurch Massagesalon oder Restaurants. Aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Am ersten Abend sind wir also gleich in ein Hochhaus, an dem auf einem kleinen Schild ein vegetarisches Restaurant beworben wurde. Im Fahrstuhl haben wir das entsprechende Stockwerk ausgewählt und wollten uns eigentlich erst einmal ein Bild von der Location machen. Denkste: Der Fahrstuhl öffnet sich und man steht direkt im Gastraum. Bis der Fahrstuhl wieder vorbeikommt, dauert es… Das Essen war dann aber gut. Dass es allerdings kein Bier (generell kein Alkohol) gab, hatten wir übersehen. Dafür entschädigte die Grüne-Tee-Flat.

Am ersten Tag sind wir erst einmal losgeschlendert und haben so relaxt und angekommen ausgesehen, dass wir von anderen Touris nach dem Weg gefragt worden sind.  Wir haben uns dann langsam Richtung Promenade orientiert, um uns die Skyline von Hong Kong Island anzuschauen. Trotz des Smogs konnte man erahnen was sich hier, insbesondere abends, für spektakuläre Bilder bieten. Auf dem Rückweg mussten wir dann doch kurz im Chungking Mansion reinschauen. Nachdem wir erfolgreich etliche Mitschnacker abgewehrt hatten, haben wir uns dann entschlossen bei einem etwas schäbigen 4-Plätze-Inder unser Mittag einzunehmen.  Die Wahl stellte sich als richtig heraus. Das Essen mundete und neben uns wurde ein ganzer Fisch mit Reis serviert und statt Besteck ein Plastikhandschuh gereicht, ein sehr authentischer Inder also. Wir selbst haben allerdings doch Stäbchen bekommen. Am Nachmittag ging es dann zu Fuß über verschlungende Wege durch den Großstadtdschungel von der Prinz Edward Station Richtung Süden zu unserem Hostel. Vorbei an der Zierfischmeile, durch einen Park, in dem der geneigte Hong Konger seinem Stubenvogel etwas Frischluft zumutet (sofern man in Hong Kong von frischer Luft reden kann), über einen, in keiner asiatischen Großstadt fehlenden, Krims-Krams-Klamotten-Markt, wo von gefälschten Taschen über Minion-USB-Sticks hin zu Lego alles verkauft wird. Dort haben wir dann auch zugeschlagen: Zahnbürstenhalter (siehe Foto), iPod-Mini Aufladekabel (defekt), Batterien für die Aktivbox (nutzlos da iPod leer). Als wir endlich einen Foodstall-Imbiss gefunden hatten, haben wir uns auf ein Bier (und jede Menge Knoblauchshrimps für Paul) niedergelassen. Zack, war die Sonne untergegangen. Also noch schnell den Nightmarket mitgenommen, der vom Sortiment her allerdings dem Krims-Krams-Klamotten-Markt doch sehr ähnelte. Allerdings gab es zwei extra Sektionen: einmal Wahrsagerinnen (brauchen wir nicht, die nächsten 6 Monate werden eh grandios) und einmal Sextoys (als Hamburger ist man von der Reeperbahn dennoch eine größere Auswahl gewohnt). Also haben wir unser Geld lieber in 2 Dosen Bier investiert und uns in den Kowloon Park gesetzt. Auf dem Zimmer wollten wir noch kurz scrabbeln, was allerdings nach dem ersten Zug erst mal pausiert werden musste, da Paul alle Buchstaben losgeworden ist und das Ganze der Mitspielerin so nicht wirklich Spaß macht (aber natürlich wird das Spiel fortgesetzt).

Am nächsten Tag wurde ausgeschlafen, das Zimmer gewechselt und noch einmal Richtung Promenade aufgebrochen. Ein heftiges Gewitter hatte den Smog in der Nacht vertrieben und so konnten wir einen unvernebelten Ausblick auf die Skyline genießen. Dort angekommen, wunderten wir uns über die vielen leeren Stative auf der Promenade, bis uns klar wurde, dass sich hier schon die besten Fotoplätze für das große Feuerwerk am Abend gesichert wurden (welches in gut 9 Stunden beginnen sollte). Dieses ließen wir uns um 9pm natürlich auch nicht entgehen und wurden mit einem wirklichen Spektakel zu Ehren des China National Days inklusive für Autos abgesperrte Straßen belohnt.

Heute sind wir dann in ein anderes Hotel auf Hong Kong Island aufgebrochen, aber davon berichten wir nächstes Mal.

 

Zwischenstop

Da sich trotz des ruhigen Fluges, der Mopo-Online-Meldung, dass es sich bei den Handgranaten nur um Attrappen handelte und einer Tavor-Pille bei Paul eine gewisse Nervosität einstellte, wurde  gleich nach der Landung noch auf dem Rollfeld in MUC eine zusätzliche halbe Tavor-Pille unter die Zunge gedrückt und dann ging es im Schweinsgallop zum nächsten Gate. Das Gute an einer Stunde Umsteige-Zeit: Keine Wartezeiten. Das Schlechte an einer Stunde Umsteige-Zeit: Nur kleine Reserven bei Flugverspätungen. Auf dem nun folgenden Langstreckenflug konnte Miri beim Start sogar Momente der Ruhe genießen, weil Paul seine Start-Wohlfühl-Atmosphäre gefunden hatte (1,5 Tavor, Dixie Chicks über Bose Quiet Comfort) – da schmeckt dann sogar das Flugzeugessen.

Food Plane
Food Plane

Am Ende wurden wir dann noch auf eine harte Probe gestellt, als Pauls Rucksack nicht ankam, das Display am Gepäckband aber hartnäckig behauptete: „All luggage is unloaded“. Gut, dass auch ein Crewmitglied kein Gepäck bekam, so wurde das Ganze dann nach 15 Minuten erfolgreich aufgelöst.